Diagnose
Zehn Sekunden, ein Rechtsklick, und Du weißt es
H1 der Startseite: Warum der Firmenname dort Kunden kostet
Die H1 Deiner Startseite ist die wichtigste Zeile Deiner Website — und bei erstaunlich vielen B2B-Firmen steht dort nur der Firmenname. Das kostet zweimal: bei Google und bei dem Menschen, der gerade zum ersten Mal auf Deiner Seite gelandet ist. Beides merkst Du nicht, weil beide wortlos gehen.
Mach kurz einen Test, bevor Du weiterliest. Öffne Deine Startseite. Rechtsklick, „Seitenquelltext anzeigen", dann Strg+F und <h1 eingeben.
Was steht da? Steht dort nur Dein Firmenname? Dann verschenkst Du die wertvollste Zeile Deiner Website. Dieser Artikel ist für Dich.
Was die H1 Deiner Startseite überhaupt ist
Die H1 ist die Hauptüberschrift einer Seite. Technisch ist sie ein einzelnes HTML-Element. Praktisch erfüllt sie zwei Aufgaben gleichzeitig, und beide sind unbequem wichtig.
Für Google ist die H1 die Themenangabe. Die Suchmaschine liest sie als Antwort auf die Frage: Worum geht es auf dieser Seite? Der <title> zählt mehr, aber die H1 bestätigt ihn oder widerspricht ihm.
Für den Besucher ist die H1 der erste Satz. Er steht meist am größten, er steht über dem Falz, und er entscheidet in ungefähr fünf Sekunden, ob jemand weiterliest oder den Tab schließt.
Die H1 ist die einzige Zeile, die sowohl eine Maschine als auch ein Mensch garantiert liest.
Warum ausgerechnet der Firmenname dort landet
Das passiert nicht aus Nachlässigkeit. Es passiert aus drei sehr nachvollziehbaren Gründen.
Erstens ist es die Startseite. Bei einer Unterseite käme niemand auf die Idee, den Firmennamen als Überschrift zu setzen. Aber die Startseite fühlt sich an wie eine Visitenkarte — und auf Visitenkarten steht nun mal der Name.
Zweitens macht das Design es unsichtbar. Viele Baukästen und Themes setzen das Logo automatisch als H1. Sichtbar ist ein Logo. Im Quelltext steht eine Überschrift. Diesen Unterschied sieht man der Seite nicht an.
Drittens weißt Du längst, was Du tust. Wer täglich mit dem eigenen Produkt arbeitet, für den trägt der Firmenname die ganze Bedeutung. Er löst sofort ein vollständiges Bild aus. Fluch des Wissens nennt sich das — und er trifft Gründer besonders hart.
Unsicher, ob Deine Startseite in fünf Sekunden verstanden wird? Teste Deinen Hero-Satz — dauert eine halbe Minute und kostet nichts.
Was Dich diese eine Zeile kostet
Der Schaden ist doppelt, und er ist leise.
- Google fehlt das Thema. Dein Firmenname ist ein Wort, nach dem nur sucht, wer Dich schon kennt. Für alle anderen Suchbegriffe gibt die Seite kein Signal.
- Der Besucher muss raten. Er scrollt, sucht, interpretiert. Manche tun das. Die meisten nicht.
- Die Anzeige verbrennt Budget. Wer über eine bezahlte Kampagne kommt, hat eine Erwartung im Kopf. Bestätigt die Überschrift sie nicht, war der Klick bezahlt und wertlos.
- Der Rückweg fehlt. Wer ohne Verständnis geht, kommt in aller Regel nicht wieder — und Du erfährst nie, warum.
Das Tückische daran: In der Statistik sieht das aus wie ein Traffic-Problem. Absprungrate hoch, Verweildauer kurz. Also kauft man mehr Traffic. Und schickt mehr Menschen auf dieselbe Zeile.
Was stattdessen in die H1 der Startseite gehört
Eine gute H1 beantwortet eine einzige Frage: Was bekomme ich hier, und wofür? Nicht mehr. Ein bis zehn Wörter reichen.
Drei Formeln, die in B2B verlässlich funktionieren:
Ergebnis + Lösungsweg
„Weniger Ausschuss in der Serienfertigung — durch Prüfung in der Linie"
Ergebnis − Einwand
„Rechtssichere Verträge, ohne eigene Rechtsabteilung"
Weg von + Hin zu
„Von zwölf Tabellen zu einem Bericht"
Die Beispiele sind nachgebaut, nicht zitiert. Sie zeigen die Struktur, nicht die Seiten, auf denen ich sie gefunden habe.
Auffällig ist, was diesen Zeilen fehlt: keine Adjektive, keine Superlative, kein „innovativ", kein „ganzheitlich". Ein Adjektiv sagt dem Leser, wie er urteilen soll. Ein konkretes Ergebnis lässt ihn selbst urteilen — und das glaubt er eher.
Und noch etwas: Meistens steht die richtige Zeile längst auf Deiner Seite. Sie steht nur an der falschen Stelle — in der Meta-Description, im Fließtext, im dritten Absatz der Über-uns-Seite. Du musst sie selten erfinden, sondern nur nach oben holen.
Wann der Firmenname doch dort stehen darf
Es gibt Fälle, in denen die Regel nicht greift. Die sollte man ehrlich benennen.
Ist Deine Marke bekannt genug, dass der Name allein die Kategorie transportiert, trägt er die Überschrift. Bei einer Handvoll Konzerne trifft das zu. Bei mittelständischen B2B-Anbietern praktisch nie — auch nicht bei denen, die in ihrer Nische bekannt sind. Denn auf der Startseite landen eben auch die, die die Nische noch nicht kennen.
Der zweite Fall: Dein Firmenname beschreibt bereits, was Du tust. Heißt Du „Kranprüfung Nord", ist die Sache erledigt. Heißt Du wie ein zusammengesetztes Kunstwort, nicht.
Und drittens: Auf Unterseiten darf und soll die H1 etwas anderes leisten. Dieser Artikel handelt ausdrücklich von der Startseite.
Willst Du wissen, was Deine Startseite in fünf Sekunden sagt?
Ich baue Verkaufsseiten für erklärungsbedürftige B2B-Angebote — Recherche, Verkaufslogik, Copy, Design, Technik und Tracking in einer Verantwortung. Im Projekt-Fit-Call gehen wir Deine Seite gemeinsam durch. Dreißig Minuten, kein Verkaufsgespräch: Entweder ich sehe einen Hebel, oder ich sage Dir das.
Projekt-Fit-Call buchenWeiterlesen
PS: Falls der Test oben ergeben hat, dass Deine H1 in Ordnung ist — prüf trotzdem, ob es nur eine gibt. Mehrere H1 auf einer Seite sind häufiger, als man denkt, und sie schwächen sich gegenseitig.